Die Autorin im Interview.
Wie würden Sie Ihren Roman „Die Riesinnen“ in wenigen Sätzen beschreiben?
Drei Frauen, die fest miteinander verbunden sind und dabei erst lernen müssen, was sie füreinander bedeuten: Die Riesinnen erzählt aus dem Leben von Liese, Cora und Eva, die ihre Wurzeln im Schwarzwald haben und für sich herausfinden müssen, ob diese Wurzeln sie von Großem zurückhalten oder ihnen die Sicherheit geben, ihren eigenen Weg zu gehen.
Welche Themen sind Ihnen in Ihrem Roman am wichtigsten?
In jedem Fall das Thema Heimat, aber auf eine moderne Weise: die Frage, ob man gehen oder bleiben soll.
Die Liebe innerhalb der Familie, zu Müttern und Töchtern, und wie sie uns erdet.
Das Thema Wald natürlich – die Verletzlichkeit des Waldes, der eben nicht so immerwährend ist, wie er uns vorkommt.
Und auch emanzipatorische Themen – die Behauptung der Protagonistinnen in Umfeldern, in denen es ihnen nicht leicht gemacht wird.
Wo sehen Sie aktuelle Anknüpfungspunkte an unsere Gegenwart?
Insbesondere das große Thema meiner eigenen Generation: Bleibe ich da, wo ich herkomme? Gehe ich weg – und wenn ja, komme ich irgendwann zurück?
Was antworte ich eigentlich, wenn mich jemand fragt: Woher kommst du? Ist das dann Berlin/Köln/München, oder doch der kleine Ort von früher, den niemand kennt, an dem ich aber immer noch Weihnachten feiere? Ist meine Heimat noch meine Heimat, wenn meine Kinder berlinern und ich „zu Hause“ vielleicht gar keine Familie mehr habe? Wie viel Verwurzelung brauche ich, um offen für die Welt zu bleiben? Und wie sehr engt es mich ein, wenn ich an einem Ort lebe, an dem jeder jeden kennt und jeder alles über mich weiß? Das Thema Heimat ist, glaube ich, für viele Generationen präsent – nicht nur für die, die es sich heute aussuchen können, wo ihre Heimat sein soll, sondern auch für ältere Generationen, bei denen der Verlust der Heimat oft einfach normal war. Das Thema Heimat ist, glaube ich, für viele Generationen präsent – für Menschen, die die Wahl haben, wo ihre Heimat sein soll, aber auch für jene, die den Verlust ihrer Heimat verwinden müssen.
Was wünschen Sie sich für „Die Riesinnen“, die sich jetzt aufgemacht haben in die Welt?
Ich wünsche mir sehr, dass die Riesinnen Menschen anrühren können. Das ist es eigentlich schon.